Kieler Str. 41, 04357 Leipzig, Tel.: 0341-6021307, Öffnungszeiten: Mo-Fr 09:00-18:00 / Sa 09:00-12:00 Uhr
  • Zweirad Haage - Kieler Straße 41 - 04357 Leipzig

  • Hauseigene Werkstatt für Reparatur und Umbau von Motorrädern

  • Ständig Neufahrzeuge und Gebrauchte im Angebot

  • Zubehör und Bekleidung

Historie - Chronik

Wir möchten hier versuchen, dem geschichtlich interessierten Kunden mit Bildern, Texten und Filmen den Blick in eine gar nicht allzu lang zurückliegende Zeit zu öffnen, gleichzeitig den Bogen zur Gegenwart spannen, sowie einen Abriss unserer Firmengeschichte aufschreiben und bewahren.

Geschichte ist unserer Meinung nach nichts Staubiges und schon gar nicht uninteressant.
In heute sehr schnelllebigen, teilweise oberflächlichen und unverbindlichen Zeiten ist gerade der Blick zurück der, der uns immer wieder die Motivation gab und gibt, Neues zu probieren und dazu auch den Mut und das Durchhaltevermögen zu haben.
Kürzlich haben wir beim Besuch der sehr interessanten Ausstellung "Moderne Zeiten" im Alten Rathaus Leipzig einen kleinen Film entdeckt, der unser Leipzig so zeigt, wie es unser Großvater Erich Haage 1931 als junger Mann gesehen haben muß. Eine heranwachsende Großstadt in einer Zeit als individuelle Mobilität für viele erschwinglich wurde. Überall reges Treiben, Geschäftstätigkeit, Autos und vor allem Motorräder!
Wir haben diesen Film hier eingebunden, ihr werdet vielleicht ebenso begeistert sein und manches in unserer schönen Stadt wiedererkennen.
Taucht also bitte ein in das Leipzig von 1931.

Leipzig zur Zeit der Firmengründung (Video aus dem Zentralen Bundesarchiv)

Am Montag den 04. April im Jahre 1932 eröffnete unser Großvater Erich Haage im Alter von 26 Jahren seine erste eigene Werkstatt für Reparaturen an Kraftfahrzeugen aller Art. Zur Werkstatt gehörte eine der damals üblichen BP Olex Tanksäulen, welche an der viel befahrenen Liebertwolkwitzer Hauptstraße in Richtung Leipzig stand. Ein Nachbau der Säule steht mittlerweile als dekoratives Ausstellungsstück bei uns im Laden.
1905 wurde der Firmengründer als ältester Sohn von Otto und Martha Haage geboren. Otto Haage, selbst Techniker, vielseitig gebildet und interessiert, kam schon 1915, ein Jahr nach Ausbruch des ersten Weltkriegs, mit einem amputierten Unterschenkel aber ansonsten körperlich unversehrt wieder heim. So konnte er seine Kinder im Gegensatz zu vielen anderen Vätern dieser Zeit aufwachsen sehen.
Wir gehen davon aus, daß er seine Leidenschaft für Technik an seine Kinder weitergab. Bilder aus den 20ern des letzten Jahrhunderts belegen eine rege Tätigkeit und Arbeit an allem was sich dreht und "Krach" macht.
Ein sehr altes Foto, geschätzt dem Jahr 1923, zeigt den Firmengründer Erich Haage mit ins Gesicht geschriebenem Besitzerstolz auf einem ersten mit HG-Logo versehenen Eigenbaumotorrad mit ALBA Einbaumotor. Nach Erzählungen sind von diesem Motorrad mehrere Exemplare entstanden. Leider ist keines davon erhalten geblieben. Falls irgendwo eines in einer Scheune schlummert- bitte melden!
Seine Berufliche Ausbildung er nach der Schule von 1920 bis 1923 in der Leipziger Schnellpressenfabrik. Dort wurde er zum staatlich geprüften Maschinenbauer ausgebildet. Anschließend arbeitete er in diversen Autowerkstätten, um 1932 dann den Schritt in die Selbständigkeit zu wagen. Diese erste Werkstatt in Liebertwolkwitz führte er 3 Jahre, bis er 1935 eine Wagenpflege mit Werkstatt, Garagen und Tankstelle in Plauen im Vogtland pachtete. Dorthin siedelte er dann mit seiner Ehefrau Liesbeth und seinem 1935 geborenen Sohn Erhard Haage um. Es folgten einige wenige Jahre bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges. Kurz davor im Jahre 1938 bestand er die Prüfung zum KFZ-Meister an der Handwerkskammer zu Leipzig. Durch die Kriegswirren sind nur wenige Unterlagen aus dieser Zeit erhalten geblieben. Lediglich ein einziges Bild zeigt unseren Vater Erhard Haage als kleinen Jungen beim Schrauben an einem Sechszylindermotor mit seinem Vater Erich Haage. Von 1939-1945 begleitete unser Großvater die Stelle eines Werkmeisters und war für die Reparatur aller möglichen Fahrzeuge der Armee zuständig. Dem Wahnsinn des Krieges entronnen kam er 1945 wieder heim. Deutschland lag in Trümmern, aber die Familie fasste neuen Mut und machte nach Ende des Jahres 1945 in der Heimat seiner Frau in Guteborn bei Meerane eine erste bescheidene Werkstatt auf. Da es im Nachkriegsdeutschland an allem fehlte, wurde alles was kam repariert. Vom Pferdefuhrwerk, Fahrrad, Motorrad, Auto bis hin zum landwirtschaftlichem Gerät wurde mit viel Improvisationstalent vieles wieder fahr- und benutzbar gemacht. In seiner typischen Lederhose unterwegs, hatte er immer einen öligen Putzlappen und diverses Werkzeug einstecken. Schon nach kurzer Zeit wurde das Dreierhäuschen, eine heute noch existierende Werkstatt zwischen Meerane und Gößnitz, angemietet. Sohn Erhard Haage lernte in dieser Zeit im Apollowerk Gößnitz. Zeit seines Lebens erzählte er, daß er das erste halbe Jahr feilen mußte. Dafür konnte er es dann. Nach erfolgreich abgeschlossener Lehre begann er im Betrieb seines Vaters.
Im Jahre 1955 stand wieder ein Umzug an. Man ging zurück zu den Wurzeln und zog nach Leipzig. Unser Vater Erhard Haage hatte unsere Mutter Margot kennen und lieben gelernt. Durch die Geburt des ersten Sohnes Frank Haage 1956 bekam unsere Mutter von behördlicher Seite auch die "Berechtigung" nach Leipzig ziehen zu können. Die Werkstatt eröffnete im Stadtteil Mockau (damals N25) in der Volbedingstraße 7. Sie wurde vom Ingenieur Schuh, ehemals Chrysler Generalvertretung für Mitteldeutschland, gepachtet. Diese Adresse sollte der Firmensitz für die nächsten 40 Jahre werden. Auf Grund des mittlerweile guten Bekanntheitsgrades wuchs die Werkstatt kontinuierlich. Lehrlinge und Gesellen wurden eingestellt. Wieder wurde "fast" alles repariert. Im Jahre 1957 besuchte unser Vater Erhard Haage einen Grundlehrgang im Simson Werk Suhl, deren Motorräder und Mopeds fortan für die nächsten 4 Jahrzehnte repariert und gewartet wurden. Die entsprechende Urkunde und den dazugehörigen analogen Simson Drehkalender könnt ihr aktuell immer noch bei uns besichtigen, er wird täglich weitergedreht. Zweite Motorradmarke waren die ungarischen Pannonia Motorräder, um die sich Dieter Brausemann, ein Cousin, kümmerte. In dieser Zeit qualifizierte sich Erhard Haage ebenfalls zum KFZ Meister an der Handwerkskammer Leipzig. Eine Voraussetzung die KFZ Reparaturwerkstatt weiterführen zu können. Zum Verständnis sei anzumerken, daß die damaligen Werkstätten in der mittlerweile sehr jungen DDR reine Reparaturbetriebe waren. Die Fahrzeuge wurden damals nicht, wie heute üblich, verkauft. Sie wurden vielmehr von staatlich eingesetzten Verkaufsstellen nach Bedarf, Parteizugehörigkeit und Beziehungen verteilt. Die Ersatzteilbeschaffung war entsprechend schwierig und wurde von "klugen" Köpfen geplant. Es entwickelte sich in der Mangelwirtschaft zwangsweise eine Kultur der Tauschgeschäfte in der viele verzweifelten, aber auch ihren Platz fanden bzw. finden mußten. Der Bau der Mauer schloss uns ab 1961 vollends ein und von der Welt ab. Ein Verdienst unseres Vaters und unserer Mutter ist es, diese lange Durststrecke durchgestanden zu haben. Man hatte familiäre Bindungen zur Heimat und mit den 1958 und 1968 geborenen Söhnen Thomas und Bernd mittlerweile drei Kinder zu versorgen. Das Jahr 1961 brachte nach kurzer schwerer Krankheit den Tod des Firmengründers Erich Haage. Unser Vater Erhard Haage stand somit mit ebenfalls 26 Jahren über Nacht auf eigenen Füßen. In einer schweren Anfangszeit für ihn, mußte Personal abgebaut werden. Bis 1964 arbeitete er mit seinem Cousin Dieter Brausemann als 2 Personenbetrieb. Dieser durfte nach der nicht vermeidbaren NVA Pflichtzeit nicht wieder im Betrieb anfangen. Fortan war er "Einzelkämpfer" mit unserer Mutter Margot Haage und kümmerte sich nun ausschließlich als Vertragswerkstatt um die Mopeds der Marke Simson. Es gibt wohl kaum ein Schwalbe-, Star-, Spatz-, S51- oder SR1-Moped im Raum Leipzig, welches damals nicht durch seine und ihre Hände gegangen ist. Als die ältesten Söhne Frank und Thomas 1973 und 1975 die Schule beendeten, bestand keine Möglichkeit im Familienbetrieb ausgebildet zu werden. Die Staats- und Parteiführung hatte Anfang der 1970er beschlossen, den Rest der Privatwirtschaft zu verstaatlichen und ließ keinerlei nennenswertes Wachstum der "Kleinen" zu. Sie gingen damals in die Landwirtschaft im Umland. Ende der Siebziger, Anfang der 80er besann man sich von Seiten des Staates und erkannte teilweise, daß die vielen kleinen Handwerksbetriebe der DDR deren Überleben mit sichern könnten. Aus heutiger Sicht eher ein langsames Sterben des Staates. Die Mangelwirtschaft hatte sich kaum verbessert. Wenn ich mit Vater als Kind freitags Ersatzteile einkaufen ging, gab es meist wenig und nicht unbedingt das was man brauchte. Ohne Vitamin B (Trinkgeld) ging nichts bis gar nichts. Man kaufte halt was da war, lagerte, tauschte und improvisierte. Damals hatte man kein Material und dafür viel Zeit. Heute ist es eher umgekehrt. Es gibt alles innerhalb 24 Stunden, hat aber dafür die Zeit zur Mangelware erklärt. Das betrachten wir aber mittlerweile als sehr gute Schule und Erfahrung des Lebens. Wir können auch mit weniger und wehren uns, wo es sinnvoll ist, zum Teilewechsler zu werden. Nach Schulabschluss im Jahre 1985 konnte Bernd Haage eine Lehre als KFZ Mechaniker in einem Leipziger Motorradbetrieb beginnen und 1987 mit dem Gesellenbrief beenden. Nahtlos begann er in der Firma des Vaters und Großvaters und widmete sich als frisch gebackene Vertragswerkstatt der traditionsreichen aus DKW hervorgegangenen sächsischen Marke MZ. Vater und Mutter betreuten weiter die Simson Mopeds. Das Jahr 1989 brachte mit den Oktoberdemonstrationen in Leipzig als Ausgangspunkt, die lang ersehnten radikalen und vor allem friedlichen Veränderungen in unserem Land. Damit begann die wohl aufregendste Zeit der jüngeren deutschen Geschichte. Die für unsere Firma richtungsweisende Begegnung fand im Sommer 1990 auf der Leipziger Messe statt. Dort präsentierte sich die Marke Suzuki mit einigen Motorrädern und suchte Händler. Das war vollkommenes Neuland. Somit gehörten wir zu den ersten Suzuki Motorradhändlern in Mitteldeutschland und der damalige Senior unterschrieb im Oktober 1990 mit unserer Mutter den Vertrag in Heppenheim. Die nun nachfolgende Zeit war und ist eine sehr intensive und von viel Arbeit geprägt. Die ersten Motorräder kamen im Dezember 1990. Eröffnung war im April 1991 im alten Firmensitz in der Volbedingstraße. Es wurden eiligst Verkaufsräume geschaffen bzw. improvisiert. Die Technik war neu und interessant, hatte aber auch nur zwei Räder und auf Grund unserer guten Basis, vielen Fleißes und intensiver Arbeit waren wir in kürzester Zeit, ohne groß nachdenken zu können, am Verkaufen und Warten der neuen Technik. Gleich zu Anfang 1990 konnte nun Sohn Frank Haage ebenfalls in der Familienfirma anfangen. Die nächste größere Veränderung stand im Jahre1995 an. Zwei Jahre zuvor zeichnete sich ab, dass die seit 1955 von der Stadt Leipzig gemieteten Geschäftsräume mit Rückübertragungsansprüchen behaftet waren.1994 erwarben wir ein Grundstück ebenfalls im Stadtteil Leipzig Mockau. Die bestehenden Gebäude wurden in kürzester Zeit saniert und um einen damals eher kleinen Neubau ergänzt. Im April 1995 eröffneten wir unseren Firmensitz in der Kieler Straße 41, der bis heute unser Stammhaus ist. In den Anfangsjahren aus allen Nähten platzend, ist die Firmenfläche heute genau richtig. Weniger ist hier halt manchmal mehr. Aktuell werden ca. 4000 aktive Kunden aus dem Motorradbereich betreut. Nach nunmehr 27 Jahren sind wir immer noch mit Lust und Freude Suzuki Motorrad Vertragshändler. Mit Eröffnung der Kieler Straße 41 hat unser Vater Erhard Haage die Geschicke in die Hände der Söhne Frank und Bernd Haage gelegt. Er half weiter nach Kräften und verstarb leider viel zu früh im Jahre 2004. Frank Haage legte zum vorhandenen Landwirt, Traktorenschlosser und Schweißer seinen KFZ-Gesellenbrief ab. Bernd Haage bestand 1992 seinen Meisterbrief in KFZ Gewerbe. Margot Haage als Seniorchefin im Unruhestand ist mit mittlerweile über 80 Jahren immer noch als gute Seele der Firma im Hintergrund aktiv. Wer uns zeitig besucht, sieht sie täglich beim Herrichten unserer Kaffeestation. Ansonsten ist sie privat eine sehr aktive Seniorin und genießt ihren Ruhestand. Unser Mitarbeiterstamm besteht seit Jahren ganzjährig aus den beiden Inhabern, zwei Gesellen, einem Lehrling und Franks Ehefrau im Büro. Im Jahre 2014 begann Alexander Haage seine Ausbildung zum KFZ Mechaniker Motorrad, welche er 2018 nach 3 ½ jähriger Lehrzeit abschließen wird. Er ist nunmehr die 4. Generation im Familienbetrieb. Seiner Nachforschung im Jahre 2015 ist es zu verdanken, dass die verschollene Meisterurkunde seines Urgroßvaters und Firmengründers wieder in unseren Händen ist.
Im April 2017 feiern wir unser 85. Firmenjubiläum.
Wir bedanken uns bei allen Kunden, die wir bei der Ausübung unserer gemeinsamen Leidenschaft begleiten durften.
Wir freuen uns auf viele weitere erfolgreiche Jahre mit und für euch.

Bernd Haage, 03.04.2017